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Montag, 12. April 2010

Kühling


Weiße Ostern, Sturm und Schnee,
Warme Jacken, Früchtetee,
Keine Sonne, grauer Himmel,
Morgens nur ein schlaffer Seufzer.
Ungemütlich, kalt und nass.
Das macht doch alles keinen Spaß!
Dicker Pulli, lange Hos’,
Was ist nur mit dem Frühling los?
.
Früher war es jetzt schon wärmel.
Man ging raus mit kurzem Ärmel.
Mädchen hüpften leicht und munter
die Wiese hoch, den Feldweg runter.
Pflückten einen Blumenstrauß.
Heut’ bleibt man lieber gleich zuhaus.
Keine Lust, man setzt an Moos.
Was ist nur mit dem Frühling los?
.
Eis wegkratzen, Boots und Schal
Das ist doch alles nicht normal
Überall nur strenge Kühle
Nirgendwo Frühlingsgefühle
Wird nix mit dem Sonne tanken
Haste Kalt? Warme Gedanken!
Null Bock auf der Liebsten Schoß.
Was ist nur mit dem Frühling los?
.
In der Altstadt sitzt man drinnen.
Hört draußen nur den Regen rinnen.
Die Sonne lässt sich selten blicken,
wer hat denn da noch Lust zu arbeiten?
Mit Sommerzeit ist’s trotzdem mau,
’s bleibt abends einfach länger grau.
Was soll man denn mit so nem Dreck?
Am besten lassen wir ihn weg.
Dehnen den Winter etwas aus.
Dann fällt der Frühling eben aus.
Und wird’s dann irgendwann doch heiter,
Geht’s einfach mit dem Sommer weiter.
.
Denn eines, Friend-O, ist gewiss!
Dieser Frühling ist Beschiss!
.
Und würd sich Petrus runter trauen,
Ich würd ihm eine runter hauen.
Ich würd ihm seine Toga klauen,
Dann würd er ganz schön blöde schauen,
Und trög nur noch den Bart, den grauen,
Dann könnt’ er sich ein Iglu bauen,
Und zusehen wie sich Blut tut stauen,
In seinen Füßen, seinen blauen.
Und wenn ich dann sehe wie er sterbst,
Freu ich mich schon mal auf den Herbst!

Fang doch mal was mit Ponys und Leberwurst an...

Als ich neulich zu Hause saß und mir die Zehennägel wachsen ließ, dachte ich darüber nach, wie viele Möglichkeiten es gibt, eine Kolumne zu beginnen. Furchtbar, da sitzt man stundenlang vor dem Bildschirm und weiß einfach nicht, wie man einsteigen soll...
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Oder auch: Als ich gestern morgen um fünf meine Seerosen goss, überlegte ich mir, wie viel Zeit wir eigentlich mit überflüssigen Dingen verbringen...
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Oder ganz anders: Kennen Sie das, wenn man versucht, jemandem etwas am PC zu erklären, aber nicht selbst die Maus in der Hand hat, sondern, derjenige dem man etwas erklären will: „Klick da oben auf Ansicht... Da oben... auf Ansicht. Das Oben da oben... ja, ja, genau. Und jetzt runter und rechts... Nein, das andere Rechts.“ Man bekommt ein leichtes Verständnis dafür, was Mörder zum Morden bringt...
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Oder so: Wenn es traußen anfängt wieder küler zu wärden und die Nadur lamsam wider zu Ruhe komt, gedänkt man gärne bei einer Taße Teh unrt einem guten Buch all der Rächtschreipfeler des vergangenen Jares.
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Toll ist der Action-Einstieg: Peng! - machte die aufgeblasene Papiertüte vom Bäcker, als ich sie zwischen meinen Händen zerplatzen ließ. Oder zumindest hätte sie Peng gemacht, hätte ich nicht vergessen, meine Schokocroissants vorher herauszunehmen. Vergesslichkeit, ein weit unterschätztes gesellschaftliches Problem...
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So etwas nennen wir einen szenischen Einstieg: Die Wolken hingen schwer über der Anhöhe außerhalb der Stadt. Es dämmerte bereits und Schwärme von Krähen zogen über den regenschwangeren Himmel. Hier sollte ich mich mit dem Seniorenbeauftragten der Stadt Dillingen treffen...
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So geht’s auch: Haben Sie jemals Ihren Finger in lauwarme Leberwurst gesteckt? So lässt sich am besten das wohlig warme Gefühl beschreiben, nach allen Regeln der Kunst verarscht zu werden...
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Fast genau so gut: „Das Leben ist kein Ponyhof“, hatte mein Lehrer früher immer zu mir gesagt und ich war glücklich darüber, denn Ponys konnte ich noch nie leiden...
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Oder der: Wo soll ich anfangen? Wenn ich das nur wüsste...
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Ganz großes Kino ist auch: Tach, wie geht es Ihnen, mir geht es gut. Und das hat einen Grund. Ich nehme nämlich täglich...
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Noch schlimmer als den Einstieg in einen Text zu finden, ist es aber, nicht zu wissen, wann man aufhören soll!
Text: Jörg O. Laux

Dienstag, 21. April 2009

Sing mir das Lied von Dr. Verena (~2005)


Und ich werde nicht über D-Promis im Dschungel, Prols auf Bauernhöfen oder Präsidenten in Weißen Häusern schreiben. Nein, was mich umtreibt… ach, Quatsch umtreibt… mich mit zerzaustem Haar von der Couch aufspringen lässt und mich schreiend zum Fenster treibt und „Suuuusiiiiiii“ in die naturtrüben Herbsttage brüllen lässt ist 9live, Deutschlands erster Quizsender. Ja, Robin, Du mein Lieblingsmoderator, ich meine Dich und Deinesgleichen, die ihr mir feinsinnig für 49 Cent pro Anruf eine Antwort auf folgende Frage entlocken wollt: „Susis Mutter hat fünf Kinder: Lala, Lulu, Lele, Lolo und …“ 6000 Euro winken plus Jackpot.

Weil ich ja eh nichts Besseres zu tun habe, habe ich mir mal die Mühe gemacht, und auf die Uhr gesehen, wie lange es dauert, bis der Jetzt-ist-es-aber-wirklichgleich-so-weit-„Hot-Button“ einen Anrufer durchstellt (wohl gemerkt, bei den Quizfragen für Hirntote). Es dauerte eine Stunde. Dabei hast Du die Zuschauer so motiviert: „Sie können das Geld doch gebrauchen, oder? Es hat ja niemand gesagt, dass Sie beim ersten Mal durchkommen. Auch wenn Sie es fünfzig Mal probieren, das kostet noch nicht mal 25 Euro, bei dem Gewinn! Gleich schlägt der Hot Button zu. Die Sendung dauert eh nicht mehr lange.“

Was hast Du eigentlich früher gemacht? Bei der Zeitansage gearbeitet? Lose verkauft oder Versicherungen? Womöglich an die Teletubbies? Nein, Robin Bade, Du hast tatsächlich beim Fernsehen volontiert, obwohl Deine Eltern Dich lieber als Altenpfleger gesehen hätten. Na ja, in gewisser Weise bist Du das ja auch geworden. Ich stell mir derweil Robin beim Sex vor: „Ja, fast, das war’s noch nicht ganz, versuch’s doch einfach nochmal! Beim nächsten Mal klappt es bestimmt. Du bist schon ganz dicht dran…Du kannst das Geld doch brauchen!“ Dennoch: Dir geht’s sichtlich gut bei 9live und wenn man der 9live-Homepage glauben darf, ist das genau das, was Du immer wolltest: „Dort darfst Du wirklich Dein eigenes Ding machen!“ Tolles Ding! Aber Du bist ja nicht nur Moderator, Du bist ein begnadeter Musiker, hast die Titelmusik zu „Dr. Verena Breitenbach“ gesungen. Wer is’n das? Wär’ das nicht auch mal eine Frage wert? Es gibt nämlich auch schwierige und extrem exakt formulierte Fragen: „Zählen Sie alle Zahlen!“ Wie jetzt? Alle? Muss ich die 9 in 9live auch mitzählen? Das Ergebnis, das Du, falls eine Frage nicht beantwortet wird, schon über eine Stunde später, kurz vor Ende der Sendung, nennst, kommt übrigens ohne Erklärung.

Schade, für diejenigen, die sich bei den Dreieckfinde-, Fläschenrate oder Zahlenzählspielen das Hirn zermartert haben. Nur nicht über die Frage, warum eigentlich die Fragestellung mehrere Antwortmöglichkeiten zulässt. Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen, macht ja auch mehr Spaß als blöde Erklärungen für irgendwelche Quizaufgaben zu geben. Das ist nicht Dein Ding. Wie wär’s denn dann mal mit der Frage nach dem Leben, dem Universum und dem Rest? Dank Douglas Adams wüsste ich die Antwort: „42!“ Und die Frage dazu auch: „Was kommt dabei heraus, wenn 6 mit 9 mal nimmt?“
Karikatur: Benjamin Hartmann

DIDUMRIGE HABEN KEINEN BAUV (~2005)


Zu viel Medienkonsum macht dick, dumm und traurig und nicht etwa schlank, schlau und glücklich, wie manch einer vielleicht glauben mag. Nein, dick, dumm, traurig sitzen die Kids vor der Glotze oder der Playstation oder beidem und werden immer dicker, dümmer und trauriger. Das hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen jetzt herausgefunden.
Muss für die Interviewer hart gewesen sein mit den 23.000 Kids, die sie befragt haben, zu reden. Dick, dumm und traurig, wie sie da saßen, ständig nachhaken mussten, weil sie die Fragen nicht verstanden haben, ständig am Schwitzen und dann dieses traurige Schluchzen zwischendurch. Ein hartes Stück Umfragearbeit!
Darüber könnte man glatt selbst dick, dumm und traurig werden…
Man stelle sich das mal vor: Interviewt den ganzen Tag dicke, dumme, traurige Kinder und ist danach so richtig schön fertig. Kommt nach Hause, legt die Füße hoch, und beim Griff nach der Fernbedienung, frieren plötzliche alle Bewegungen ein. Mist, wenn ich jetzt die Glotze anschalte, werd’ ich noch dicker, dümmer und trauriger… Will ich das? Ja, oder soll ich etwa kriminell werden? Aber alles der Reihe nach: Nennen wir den Zustand dick, dumm, traurig der Einfachheit halber erstmal didumrig. Die Didumrigen fristen bewegungslos ihr Dasein vor der Flimmerkiste, benutzen allerhöchstens mal den Daumen zum Zappen oder um beim Videospiel ein Monster wegzuballern… Denn, und da liegt der didumrige Hund begraben, wer viel TV glotzt und viel Video spielt, der setzt sich auch in einem Übermaß der Medienbrutalität aus und läuft leichter Gefahr, selbst kriminell zu werden. Aber das ist ja eigentlich wünschenswert.
Nicht dass die Jungs und Mädels kriminell werden, nein. Aber, dass sie, wenn sie schon dem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, kriminell zu werden, sie – bis zur ersten kriminellen Handlung – zu didumrig sind, um gefährlich zu werden. Denn so ein Didumriger hat – ob seiner Didumrigkeit – gar keinen BauV (Bock auf Verbrechen), und wenn, wüsste er nicht wie, und außerdem bleibt man traurig viel lieber zu Hause, mit dem Ergebnis, dass man noch didumriger wird.
Gefährlich ist also nur, wer zu wenig Medien konsumiert und aus diesem Grund BauV bekommt. Daraus folgt: Spielt mehr Video und glotzt mehr TV. Das macht die Welt sicherer: No BauV!
Karikatur: Kerstin Arand

Jetzt reichts mir aber gleich (~2005)

Hourglass with melting clock
Los, räum’ Dein Zimmer auf!“ Wenn meine Mutter mir früher mit dieser Forderung entgegentrat, antwortete ich in der Regel mit: „Ja, gleich!“ Die Antwort meiner Mutter war ebenso vorhersehbar: „Nicht gleich, jetzt!“ „Ja, jetzt gleich!“ Damals, als ich mein Zimmer weder gleich noch jetzt aufräumte, gab es noch einen – den Familienfrieden durchaus gefährdenden – Unterschied zwischen „gleich“ und „jetzt“. Aber den gibt’s doch heute auch noch, fühlt man sich genötigt zu denken. Jetzt gleich nicht mehr…
Auf der Bedeutungsebene liegt der Unterschied auf der Hand: „Jetzt“ kommt vor „gleich“. Zwischen Gegenwart und jetzt passt nichts mehr, wohingegen zwischen Gegenwart und gleich durchaus noch so einiges Platz findet. Zum Beispiel ein Abendessen wie in „gleich nach dem Abendessen“. Im Fernsehen gelten diese Regeln nicht. Im Fernsehen ist „jetzt“ „gleich“ und „gleich“ „später“. Liest man nämlich in einem Programm-Trailer: „Zärtliche Cousinen...
jetzt“, dann kann man sich getrost noch ein Abendessen zubereiten und zu sich nehmen. Denn die zärtlichen Cousinen kommen nicht jetzt, also sofort. Vorher kommt noch der Rest der laufenden Sendung, dann ist zu lesen „gleich geht’s weiter“, dann gibt’s Werbung, dann kommt der Abspann der laufenden Sendung, dann kommt das Versprechen, dass jetzt tatsächlich die zärtlichen Cousinen kommen, nach nur einem Spot. Dann kommt der eine Spot, dann kommt natürlich noch ein Spot, der mich darüber informiert, dass die nachfolgende Sendung von „Ollobollo Hackfleischbällchen“ gesponsert wird. Und dann habe ich pünktlich zum Beginn der „Zärtlichen Cousinen“ zu Nacht gegessen, bin satt und schalte um, weil ich jetzt eigentlich gar keine Lust mehr auf die „Zärtlichen Cousinen“ habe. Die kommen auch ohne mich klar, zärtlich wie die sind.
Aber die Sprachverwirrung geht gleich noch weiter. Nicht nur, dass „jetzt“ „gleich“ und „gleich“ sonstwas heißt. Unser (jetzt noch) Medienkanzler, der Gerd, hat das mit dem „Jetzt“ und dem „Gleich“ noch etwas verfeinert. Und das geht so: Ihr, also die SPD, sprecht mir jetzt das Misstrauen aus, vertraut mir aber gleich danach wieder so sehr, dass ich im Falle von Neuwahlen als Kanzlerkandidat antrete. Oder noch verwirrender: Wer mir immer schon vertraut hat, misstraut mir jetzt und gleich wieder nicht mehr. Also ist Vertrauen Misstrauen und Misstrauen Vertrauen. Oder wie es die drei Hexen in Macbeth so treffend feststellen: „Fair is foul and foul is fair.“
Man versuche sich diese Argumentation – oder feiner formuliert: diese Dialektik – mal in einer „normalen“ Mann-Frau-Beziehung vorzustellen. Sie: „Willst Du Dir jetzt etwa diesen Soft-Porno anschauen?“ Er: „Gleich!“ Sie: „Jetzt vertraue ich Dir nicht mehr!“ Er: „Das ist der Beweis dafür, dass Du mir immer vertraut hast und mir gleich wieder vertrauen wirst!“ Sie: „Ich will die Scheidung! Jetzt!“ Er: „Aber nur, damit wir gleich wieder heiraten können.“ Sie: „Du verstehst mich nicht mehr!“ Er: „Jetzt vielleicht nicht, aber gleich, ich schau nur grad noch die Werbung fertig, da kommt jetzt nämlich „Zärtliche Cousinen“, Schatz.“ Sie: „Das ist mir gleich!“ Und er: „Jetzt auf einmal!“

No name, no good

Vinyl Ready Art - Holidays
„Das riecht aber sinnlich. Was ist das?“, lasziv legt die junge Frau ihre Hand an den Kragen des Herren. Ihre Lippen sind spröde. „Das darf ich nicht sagen!“, haucht er zurück. Ihre nestelnden Bewegungen, eben noch fummelten ihre langen Finger an der Knopfleiste seines Armani-Hemds herum, kommen zum Erliegen. „Was soll das heißen?“, fragt sie irritiert nach. „Ich darf dir nicht sagen, was es ist?“, sagt er. „Warum nicht? Ist es von Deiner Frau?“ Er beginnt zu flüstern, murmelt irgendetwas von Vorspann. Lauter sagt er: „Ich kann nur so viel sagen: Es ist ein Herren-Parfüm.“ „Willst Du mich verarschen. Los, gib mir die Schlüssel vom Mercedes, ich verzieh’ mich. Muss eh noch einkaufen. Brauchste was aus’m Plus.“ Er schaut sich verschwörerisch um. „Du bekommst die Schlüssel nicht, auch dann nicht, wenn es ein VW, ein Audi oder ein BMW wäre. Außerdem sind die Produkte im Aldi, Lidl, Real, Akkord oder Concord ebenso gut und günstig, wie die im Plus“, sagt er zornig. Sie beginnt zu schluchzen: „Du liebst mich nicht. Du wirst Deine Frau niemals verlassen…
Hast Du ein Tempo?“ „Ich habe auch Zewa und Softies, die sind nämlich auch
reißfest, günstig und gut.“ „Alles klar, das war’s!“, plötzlich hält sie einen Revolver in der Hand „Und noch was!“, blafft sie, „Mein Pulli ist neu und nicht mit Perwoll gewaschen.“ Dann schießt sie. Eigentlich wollte er sie noch darauf hinweisen, dass Ariel oder Persil ebenfalls Fasern und Farben schonen und weißer als weiß waschen, dass ihr Geschirr Kalkablagerungen aufweise, weil
sie nicht mit Pril spüle und sie sich überhaupt dahin scheren könne, wo der Pfeffer wachse – am liebsten aber mit TUI. Doch da war er schon tot.
So könnte ein TV-Krimi in Zukunft aussehen, dann nämlich, wenn durch die EU Schleichwerbung erlaubt wird. Viviane Reding, die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, hat eine Richtlinie entworfen, die es erlaubt, Filme, TV-Serien – sogar Ratgeber – mit Werbung zu versetzen. Luxusautos, Reiseveranstalter, Konsumgüter sollen dann für Geld ins Drehbuch eingebaut werden dürfen, wenn die Werber im Vorspann genannt werden.
Das wird prima, wenn man die Killer gleich daran erkennt, dass sie – nicht wie die Guten – keine Werbeaufnäher tragen und auch sonst ausschließlich No-Name-Produkte verkonsumieren. „Hüten Sie sich vor dieser Frau, Dr. Watson.“ „Warum, Holmes?“ „Haben Sie ihre Kleidung bemerkt? Nicht ein einziger Sponsoren-Aufnäher!“ „Sie verblüffen mich immer wieder, Holmes. Dabei hätte ich auf die Ehefrau als Mörderin getippt.“ „Aber es war die Geliebte, Watson.
Sehen Sie nur“, Holmes hält ihm seine Fielmann-Lupe hin, „Ihre Lippen sind nicht glossy und shiny, ihre Wimpern sind weder lang noch füllig und… sie sieht so alt aus wie sie ist. Wer keine Marken-Produkte benutzt, muss ein Mörder sein… oder schlimmer.“ „Sie haben wie immer recht, Holmes!“

Montag, 20. April 2009

Geilileo

Thinkstock Single Image Set
Galileo ist geil. Die Pro7-Sendung ohne die Maus für Erwachsene ohne Allgemeinbildung macht richtig an. Denn eigentlich interessiere ich mich nicht wirklich für Kanaldeckel, Eiertrenn-Maschinen, Cidre, Eiskonfekt, Vivil, Ramazotti, Tiefkühltorten oder die Frage, ob ein Laie einen Baum fällen kann. Aber ich schaue Mädchen gerne unter die Röcke, sehe gerne mal nackte Brüste oder sexy Dessous. Denn das gibt's auch bei Galileo. Und man lernt sogar noch was dabei. Zum Beispiel, dass der Wärmeaustausch unterm Mini-Rock im Sommer besser ist als in Hot Pants. Galileo hat das nachgewiesen, mittels einer Wärmekamera und festgestellt, dass es in so einer Hot Pant schnell mal 40 Grad heiß wird. Deshalb heißen die wohl auch Hot Pants. Bei solchen Temperaturen in einer Männer-Hose käme sofort die Fortpflanzungsfeuerwehr gerannt, um zu retten, was zu retten ist. Wie Hot Pants entstanden sind, hab ich dabei auch gerade gelernt. Eine Frau soll ihre lange Jeans zum Zwecke der Verkürzung auf eine Schiene gelegt und einen Zug drüber fahren gelassen haben. Wo, wann und ob das wirklich so war, weiß man nicht so genau. Egal, Hauptsache gezeigt, dann prägt es sich besser ein und wird irgendwann wahr. Und so ein Mädel in Hot Pants kommt ja immer gut. Vor allem wenn sie zum Zwecke der Beinkleidverkürzung vorher einen flotten Strip an den Gleisen hinlegt.
Aber Moderator Aiman Abdallah und seine Missionare des Wissens (Die Teleschau schrieb mal, sie hätten den Charme eines Heiratsschwindlers!!!) haben nicht nur High-Tech-Wärmebildkameras, mit denen sie die Temperatur in den Höschen von jungen Mädchen messen können. Sie haben auch ganz normale Kameras, die sie flugs unter Treppen aufstellen, um jungen Mädchen untern Rock zu gucken. Klar, natürlich nur zu wissenschaftlichen Zwecken, zum Nutzen der Menschheit, für ein Leben in Frieden und Freiheit immerdar. Und um zu beweisen,
dass man Mädchen, die eine Treppe herunter kommen, von unten untern Rock gucken kann. Guck da, der Slip - weiß natürlich, sonst würde ihn möglicherweise noch ein Fernsehzuschauer übersehen - und mit Spitze, damit man was zum Träumen hat. Geil! Ja, ich habe gut aufgepasst. Den Beweis, dass man einem Mädchen mit Hot Pants, das eine Treppe herunter kommt, von unten nicht untern Rock gucken kann, hat Galileo natürlich auch geliefert. Langweilig.
Bis jetzt sind also Hot Pants besser im Sommer. Oder doch Röcke? Hier liegt die Schönheit wie so oft im Auge des Betrachters. Und dem wird noch mehr geboten. Zum Beispiel, dass man einem Mädchen auch untern Rock gucken kann, wenn es in ein Auto einsteigt. Da, der Slip! Supergeil! Oder der allseits gefürchtete Lüftungsschacht-Test! Wer hätte das gedacht: Mit Hot Pants kann man angstlos über einen Lüftungsschacht gehen, ohne dass etwas passiert. Aber mit einem Mini-Rock! Davon kann Galileo nur abraten. Da, der Slip schon wieder!
Huiii! Extrageil! Und da, beim Liegewiesen-Test... wenn man sich so hinsetzt, zack, der Slip, endgeil! Sensationell! Galileo ist eben geil und außerdem - wie sag ich immer so schön - es geht nichts über ein gepflegtes Halbwissen.

Freitag, 17. April 2009

Nur für Männerrrrr


Heute wenden wir uns einer Randgruppe zu: dem Mann. Ja, der Mann ist in der Unterzahl und das zeigt sich auch im Fernsehen. Eigentlich wollte ich mich darüber ja schon an höchster Stelle beschweren. Einen Männerbeauftragten suchte ich jedoch vergebens. Ja, wir Männer fühlen uns vernachlässigt, reduziert. Und kommt mir jetzt bloß nicht damit, dass es für uns ja jede Menge Softpornos im Nachtprogramm gibt. Stimmt zwar, aber der Mann denkt ja nicht nur an Sex. Darauf lassen wir uns nicht reduzieren. Wir Männer denken außerdem ans Saufen und an Autos und so. Eben Anspruchsvolles für richtige Männer, rrr. Und nochmals rrr!

Doch endlich gibt es die Sendung, die sagt, wo Mann hingehört, was Mann machen soll, wie Mann seinen Mann steht in einer Welt voller Quotenfrauen: Das MännerMagazin auf DSF. Mitten drin, statt nur dabei, sag ich da mal. Da trifft man bei „Matzes Männersachen“ echte Kerle, die auch noch Tacheles reden: „Wann ist Alkohol bei Dir unabdingbar?“ Echter Kerl: „Feierabend! [kurz nachdenken] Arbeit! [kurz nachdenken] Alltag!“ Voll jawoll! Die unverblümte Wahrheit. So haben wir Männer es gern. Gern haben wir Männer es übrigens auch, wenn sich Playboy-Bunnys auf Motorhauben räkeln und dabei beweisen, dass sie auch noch für etwas anderes gut sind, zum Beispiel Reifen wechseln oder Auto waschen. Und weil uns in jeder Sendung ein anderes Bunny als… nennen wir es mal fix: „Moderatorin“ vorgesetzt wird, die beim Ölstandmessen das Wichtigste nie vergisst, sich schön weit vorzubeugen, wird das auch nicht so schnell langweilig. Wir Männer stehen nämlich auf Action und so richtig geht uns einer flitzen, wenn wir mit chromglänzenden „Rennsemmeln abgehen wie Schmitts Katze“. Geil, geil, geil. Vrroooom zum nächsten Beitrag. Da kriegt Mann dann gezeigt, wie Mann sich – unterlegt mit den entsprechenden Werbefilmausschnitten – mit dem richtigen Männerrasierer männermäßig richtig rasiert, natürlich mit anschließendem Streicheltest, rrrrr.

Und zum Schluss zieht sich Dorrrris noch aus, die alte Emanze! Sie findet es übrigens Scheiße, wenn der Typ beim ersten Date nicht die Rechnung bezahlt, da geht dann gar nichts mehr. Ihr hat ein Grundschulfreund geraten, sich beim MännerMagazin zu bewerben und da fand sie dann, dass das auch genau das Richtige für sie sei. Der Grundschulfreund, der alte Schwede… ganz schön ausgebufft. Wollte die gute Doris wahrscheins seit dem ersten Schuljahr mal nackisch sehen. Jetzt hat’s endlich geklappt. Und da soll mal noch einer sagen, wir Männer, seien einfach strukturiert. Pah! Danke, MännerMagazin, für alles!

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Es heißt, dass jede Antwort auf eine Frage viele neue Fragen aufwirft. Nun bin ich ja für schlaue Sprüche immer zu haben, und tatsächlich gibt es da so einiges an Fragen, die den eifrigen Fernsehzuschauer umtreiben müssen. Fragen, die vom bloßen Zuschauen der TV-Werbung aufgeworfen werden. Ernste Fragen, beängstigende Fragen, Fragen, die zu beantworten man sich scheut, scheuen muss. Fragen, die endlich einmal gestellt werden müssen.

Wie zum Putzteufel kriegt man einen Bergfrühling in eine Plastikflasche, und
hat das Auswirkungen auf das Klima?
Woher wissen die, wie Muttis Pudding schmeckt?
Wessen Erfolg ist die Summe richtiger Entscheidungen und wie steil ist mein Ertragswinkel genau?
Gibt es Dr. Best wirklich?
Überlebt man es, wenn einem eine Computer BILD in den Kopf gerammt wird?
Hat es juristische Konsequenzen, wenn man vorsätzlich Millionen von Keimen tötet?
Wie schmeckt denn nun der Sommer?
Würde ich mich, falls mein Zahnarzt krank ist, auch von seiner Frau behandeln lassen?
Wann und wo muss man die von Red Bull verliehenen Flügel zurückgeben?
An welcher Pflanze wachsen Jod-S11-Körnchen?
Was ist eigentlich in einem essbaren Verdauungsspaziergang drin und wie geht das?
Jetzt mal Butter bei die Fische: Wie viel weiß Tim Brien wirklich?
Reden meine Turnschuhe hinter meinem Rücken über mich?
Hat die Frau mit dem Wasser-Max nun Bitter Lemon oder nicht?
Was macht Frau Sommer in diesem Augenblick?
In welche Richtung drehen meine Joghurt-Kulturen?
Was ist wirklich in einem TicTac drin?
Warum prickelt Schöfferhofer Weizenbier in Bauchnabeln von Französinnen schöner als andere Weizenbiere,und was macht die hübsche Französin mit der leeren Flasche, die der nette Herr ihr schickt?
Muss man nach jedem Essen einen Zahnreinigungskaugummi kauen und gilt das Kauen von Zahnreinigungskaugummi auch als Essen?
Stehen im Focus nur drei Fakten?
Und was wissen Spiegel-Leser mehr?
Welche Farbe hat mein Strom?
Ist es wahr, dass so viele Menschen nachts wegen Blasenschwäche raus müssen?
Und warum ich nicht?
Was stimmt nicht mit mir?
Wie viele Klingen bekommt man maximal auf den Kopf eines Nassrasierers?
Sind Menschen, die Gala trinken, absolut glücklich?
Oder solche, die Kaffee Hag ablehnen, grundsätzlich leicht zu beeinflussen? Entscheidet wirklich nur mein Geschmack?
Fressen Katzen Petersilie?
Wenn man Fischen Schappi gibt, bekommen die dann auch ein glänzendes Fell?
Was verdient eigentlich die nette Bäuerin, die den ganzen Tag in ihrem Butterfass Joghurt anrührt?
Hat schon mal jemand versucht, ein Hanuta mit 'nem Degen aufzuspießen?
Wo speichert Ihr Euer Vitamin C?
Wird morgens um halb zehn in Deutschland tatsächlich nicht gearbeitet?
Sind Katrins Zähne wirklich weißer?
Was passiert mit Kindern, die Zerealien essen?
Ist das so, dass Frauen zum Teil aus blauer Ersatzflüssigkeit bestehen?
Guck ich zu viel Fernsehen? Kann das sein?