Und es begab sich in jenen Tagen, da ging der Schütze zum Minister, hielt ihm die Waffe an Kopf, spannte den Hahn und sagte: "Fühlen Sie sich frei in der Gesetzgebung!"
+++ MERKE: Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man mit Menschen, die Freude an Schusswaffen haben, vernünftig reden kann! +++
+++ MERKE: Mit einem Videospiel kann man keine Menschen töten, egal wie verrückt man ist! +++
Freitag, 15. Mai 2009
Mittwoch, 13. Mai 2009
Donnerstag, 7. Mai 2009
Donnerstag, 30. April 2009
DAS KAUFHAUS DER VERGESSENEN KINDER

Das Bällchen-Paradies für Kinder, das große Kaufhäuser anbieten, wird von Eltern als Segen angesehen. Man kann das Kind vorne im Laden abgeben und während man in Ruhe durch das Kaufhaus bummelt, erfreut sich das Kind gemeinsam mit anderen Kindern in einem Aquarium, gefüllt mit bunten Bällchen. Da sich unsere aktuelle Ausgabe dem Thema Mythen widmet, soll an dieser Stelle ein moderner Mythos, nämlich der Mythos der vergessenen Kaufhauskinder, Erwähnung finden.
So trägt es sich nämlich zu, dass Kinder in diesen Bällchen-Paradiesen vergessen werden: Die mit Einkäufen voll bepackten Eltern, gestresst und entnervt, die vor lauter, lauter ihr Kinder vergessen oder solche, die sich im Kaufhaus rettungslos verlaufen und nie wieder hinaus finden – gerade das soll gelegentlich in schwedischen Einrichtungshäusern vorkommen – sind Ausgangspunkt solcher Mythen. Doch was geschieht mit den Kindern? Vor allem dann, wenn sie langsam erwachsen werden und den kleinen Neuankömmlingen nicht nur den Platz, sondern – möglicherweise vor Hunger – auch ihre Süßigkeiten wegnehmen. Große Warenhäuser haben sich darauf eingestellt und lassen die vergessenen Kinder außerhalb der Öffnungszeiten in ihren Verkaufsräumen wohnen, dort machen sie sich mit dem Sortiment vertraut, und versteckt hinter Vorhängen und Stühlen, unter Tischen und in Kisten beobachten sie das tägliche Treiben im Kaufhaus. Bis sie eines Tages der Gesellschaft als perfekte Verkäufer zurückgegeben werden. Diese Verkäufer erkennt man daran, dass sie auf ihrem Namensschild nur den Vornamen tragen.
Und so geschah es vor Kurzem, dass einem älteren Ehepaar ein Verkäufer auffiel, der sie an irgendetwas erinnerte. Erst beim Verlassen des Kaufhauses meinte die Frau zu ihrem Mann:
„Dieser Verkäufer Ingo war wirklich sehr zuvorkommend. Ach, ich wünschte wir hätten auch einen Sohn wie ihn.“ Worauf der Mann meint: „Hatten wir nicht mal einen Ingo? Wo ist der
eigentlich?“ Seltsam, aber so steht es geschrieben…
Lebenslänglich Ekelhaft

Stephen King schrieb einmal in seinem überaus lesenswerten Horror-Sachbuch „Danse Macabre“, er sei einmal gefragt worden, was für ihn die schlimmste Horror-Szene sei, die er sich vorstellen könne. Seine Antwort lautete: Rittlings ein Treppengeländer herunterrutschen, das sich während dessen in eine senkrecht stehende Rasierklinge verwandelt. Allein die Vorstellung erzeuge bei ihm immer wieder eine Gänsehaut! Kann man nachvollziehen. Ohnehin ist der Mensch beim Ersinnen von Methoden, um anderen Menschen einen Putenparka zu verpassen, höchst kreativ . Man denke nur an die „Saw“-Filme, den „Grand Prix der Volksmusik“, Dirk Bach oder „Schmidt und Pocher“.
Doch wir schauen hin! Die Faszination des Ekelhaften! Nichts ist so schlimm, so schlecht, so abartig, dass es sich nicht doch noch irgendwer anschauen würde. Die TV-Nachmittage der Privaten gäbe es nicht, ohne dieses rational kaum steuerbare Bedürfnis, bei Ekel erregenden Dingen zwar wegschauen zu wollen, aber vorher trotzdem kurz mal hinzuschauen.
Für dieses Verhalten ist einer der ältesten Bereiche unseres Gehirns zuständig: das Stammhirn, das weit unterhalb unserer höheren bewusstseinsbildenden Hirnfunktionen die Urzeitkeule schwingt. Selbst den gebildetsten und diszipliniertesten Menschen kostet es Kraft, sich dem Verlangen zu entziehen, sich einen besonders ekeligen Kackhaufen doch ganz kurz mal anzuschauen, um dann von einem heißkalten Ekelschauer durchrüttelt zu werden. Deshalb ist auch die vom ehemaligen Literatur-Papst und jetzt zum Gott der TV-Kritiker aufgestiegene Moserer Marcel Reich-Ranicki angestoßene Scheindiskussion über das Niveau des Fernsehens eben genau das, eine Scheindiskussion. Denn so funktioniert der Mensch nun mal, er MUSS sich Nachmittagstalk-Shows, Dschungel-Camp, Big Brother und ähnliche mediale Kackhaufen einfach anschauen. Unser Stammhirn, das viel älter und viel stärker ist als unsere Vernunft, verlangt es von uns, denn es gab mal eine Zeit, da war es überlebensnotwendig, ekelhafte Dinge nicht zu übersehen, damit wir sie beispielsweise nicht aus Versehen verzehren. Den Ekel erregt in der Regel nur eigentlich Ungenießbares wie verwesende Kadaver, Fäkalien, Erbrochenes, Spinnen, Skorpione, Frösche oder ähnliche Leckereien, die alle auf die ein oder andere Weise ungenießbar bis giftig sind. Diesen uralten Überlebenstrieb des Ekels tragen wir bis heute in uns. Auch wenn wir inzwischen WISSEN, dass man – um es mit Frank Zappa zu sagen – „den gelben Schnee“ nicht essen soll, befinden wir uns quasi in lebenslanger Ekelhaft!
Dass gerade die eigentlich ungenießbaren TVFormate, vor diesem Hintergrund so hohe Einschaltquoten erzielen können – nein, müssen – verwundert da noch nicht einmal mehr, sondern macht sie über jegliche Kritik erhaben. Stammhirnfernsehen, eben! Oder wie es ein alter, sehr weiser Freund gerne sagt: „Was soll man da machen? Da kann man nix machen!“
So ein Tag...

Was haben Schildkröten und das Grundgesetz gemeinsam? Ha, das wäre ja mal eine Eine-Million-Euro-Frage für Herrn Jauch, oder? Kommt schon, das wisst Ihr nicht! Deshalb hier die Lösung: sie teilen sich den selben Gedenktag! Denn am 23. Mai ist wieder Tag des Grundgesetzes, in Erinnerung an die Verkündung des Grundgesetzes 1949 und seit 2000 auch der Tag der Schildkröte, angeregt von einem US-Amerikanischen Schildkrötenschützer-Verband. Willkommen in der Welt des unnötigen Wissens.
Jetzt sind ja solche Gedenktage eher dröge. Aber demnächst stehen noch viel bessere Gedenktage an: Zum Beispiel der 25. Mai, mein persönlicher Lieblingstag: Der Tag des Handtuchs zum Gedenken an den „Per Anhalter ins All“-Autor Douglas Adams, der am 11. Mai 2001 starb. Für alle, die nichts damit anfangen können, denen sei folgendes gesagt: 1. Unbedingt mal lesen!!! 2. Gehört das Handtuch zu den unabdingbaren Utensilien, die jeder Weltraum-Anhalter braucht. Dass am gleichen Tag auch der vermissten Kinder gedacht wird, könnte ein Zufall sein... Der 16. Juni sollte da auch nicht vergessen werden: Der Bloomsday gedenkt James Joyce und dessen Schöpfung Leopold Bloom der in „Ulysses“ den 16. Juni 1904 in Dublin erlebt.
Interessant ist auch die Paarung 1. und 2. Juni, denn der 1. Juno ist gleichzeitig Weltkindertag und Weltmilchtag. Ein Schelm, der da überhaupt irgendwas denkt. Was in noch höherem Maße für den folgenden Tag gilt: der 2. Juni ist nämlich Welthurentag... vielleicht gibt’s da ja Rabatt, mal schauen! Merkwürdige Assoziationen kommen ebenfalls auf, wenn man sich anschaut, dass der 11. Juni der Tag des Gartens und der 12. Juni der Tag der Kinderarbeit ist. Jetzt mal im Ernst, Gartenarbeit war ja wohl unser aller Einstieg in die Kinderarbeit... wann ist eigentlich der Tag des Straße kehrens? Den könnte man ja auf den 3. Juni legen, denn irgendwie hat dieses Datum keine feste Widmung. Eine Anregung wäre den 3. Juni den Vergessenen oder den Ungeliebten zu widmen. Der 21. Juni ist der „Welttag der selbst gemachten Musik“ – und gleichzeitig Weltschlaftag… hmmm! Letzterer würde ja wohl eher auf den 23. Juni passen, den „Tag des öffentlichen Dienstes“, der groteskerweise gleichzeitig Olympiatag ist – und Nationalfeiertag in Luxemburg.
Falls das irgendwer nicht lustig finden sollte, liegt das wahrscheinlich daran, dass der Weltlachtag, der auf den ersten Sonntag im Mai fällt, verpasst wurde. Obwohl ein Tag fürs Lachen eigentlich ohnehin zu wenig ist.
Lauter Morgen (Weihnachten 2007)

Was zu viel ist, ist zu viel! Das müssen sich wohl der Saarlouiser OB Roland Henz und seine Rathaus-Mannen gedacht haben, als sie an den traditionellen Heiligmorgen in der Saarlouiser Altstadt dachten. Seit nunmehr drei Jahrzehnten ist das ursprünglich vom Humpen ausgehende feucht-fröhliche Treffen von Exilsaarländern, die zur Weihnachtszeit heimkehrten, zu einem 15.000 trinkfreudige Weihnachtsmänner und -frauen zählenden Großereignis angeschwollen. Mit allem, was dazu gehört.
Totale Überfüllung der Altstadt, Glasscherbenteppich, Gegröle, Gedränge, Gequetsche. Der Charme des Heilgmorgens in der Saarlouiser Altstadt war (und ist!), dass dieses Großereignis nie geplant war, sondern auf natürlichem Wege gewachsen ist. Doch was endlos wächst, wird irgendwann zum Monstrum. Und gerade als Altstadtbewohner von ganzem Herzen muss ich zugeben, der Heilgmorgen ist ein solches Monstrum geworden. Leider!
Umso begrüßenswerter ist es – vom Prinzip her –, dass die Stadt nun regulierend eingreifen will. So sind zwei Eckpunkte des neuen Heiligmorgens in Saarlouis, dass es draußen keine Gläser oder Flaschen mehr geben wird, sondern nur noch Papp- oder Kunststoffbecher und es wird eine Eingangskontrolle an allen neuralgischen Punkten zur Altstadt geben, inklusive einer (in jedem Fall verfassungswidrigen Durchsuchung von Rucksäcken und Handtaschen, das darf nämlich niemand einfach so!!!). Einerseits um einer Überfüllung vorzubeugen, andererseits um das Mitbringen von Getränken in Rücksäcken zu unterbinden!
Das Umstellen auf Papp- bzw. Plastikbecher macht insofern Sinn, dass Rettungsfahrzeuge nicht auf halber Strecke mit platten Reifen liegen bleiben, während irgendwo in der Altstadt ihre Hilfe dringend benötigt wird. Gleiches gilt für den Versuch, die Altstadt vor Überfüllung zu schützen, so es denn gelingen mag. Das bleibt abzuwarten. Schade ist in diesem Zusammenhang, dass die Stadt etwas spät mit ihren Neuerungen ankam. So dass beispielsweise ein flächendeckendes Pfand auf die Getränkebecher nicht erhoben werden konnte. Das hätte nicht nur das Müllaufkommen auf den Straßen vermindert, man hätte vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit dem Altstadtförderverein einen „Heiligmorgen 2007“ Becher entwerfen können, der möglicherweise ein hübsches Souvenir oder gar Sammlerstück geworden wäre.
Das vielleicht als Anregung für die folgenden Jahre.
Foto: Stadt Saarlouis
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